Faszien haben in den letzten Jahren einen wahren Hype erfahren und wurden vor allem als „verklebte Faszien“ thematisiert. Die Begriffe Faszien und Bindegewebe werden allerdings häufig ungenau oder sogar falsch verwendet. Mit diesem Beitrag möchte ich Klarheit schaffen und vermitteln, dass weitaus mehr hinter den Begrifflichkeiten steckt als man vermutet. Für Viele sind gesunde Faszien und ein straffes Bindegewebe gleichzusetzen mit cellulitefreier und faltenfreier Haut. Mir liegt dieses Thema aber nicht aufgrund von optischen Schönheitsidealen am Herzen, sondern vor allem wegen der wichtigen Funktionen die das Bindegewebe in unserem Körper hat. Außerdem gehe ich der wichigesten Frage auf den Grund: Können Faszien verkleben?
Was ist Bindegewebe?
Der Begriff Bindegewebe im medizinischen Sinne umfasst weitaus mehr als er vermuten lässt. Alle Strukturen die eine Art Verbindung mit anderem Gewebe eingehen, fallen darunter. So zählt man Sehnen, Bänder, Gelenkskapseln, Faszien, Knorpel, Bandscheiben und sogar Knochen zum Bindegewebe. Der Grundaufbau bleibt dabei immer gleich:
Bindegewebe besteht aus Zellen und Matrix.
Die Zellen kann man vereinfacht ausgedrückt nach der jeweiligen Strukur benennen. Also z.B Sehnenzelle, Knochenzelle, Knorpelzelle, etc. Die Matrix besteht aus Kollagen und Elastin und Grundsubstanz. Je nachdem um welche Art des Bindegewebes es sich handelt besteht es aus mehr elastischen (Elastin) oder mehr kollagenen (Kollagen) Fasern.
Kollagen
Kollagen wird auch Strukturprotein (Protein=Eiweiß) genannt, da es extrem Zugfest ist (vergleichbar mit einem Stahlseil). Es erhält die Körperform und kommt vermehrt da vor, wo Festigkeit wichtig ist – wie Haut, Knochen, Sehnen, Bänder, Gelenke und Bandscheiben. Kollagen ist in der klassische Lebensmittelindustrie als Gelatine anzutreffen. Gelatine ist quasi eine gereinigte Form von Kollagen und verdeutlicht die klassischen Eigenschaften der kollagenen Fasern (hohe Bildung von Wasser). Es gibt drei Typen von Kollagen:
- Typ I: ist besonders dort angesiedelt wo Zugbelastung stattfindet, also Sehnen, Bänder und Gelenskapseln
- Typ II: findet man in Gewebe das großen Stoßbelastungen standhalten muss, wie Knorpel, Bandscheiben und Menisken
- Typ III: ist ein einfaches Kollagen, dass sehr schnell und in Massen vom Körper produziert werden kann. Dieser Kollagentyp wird vor allem bei Wundheilung benötigt. Typ III Kollagen wird in Folge in Typ I oder Typ II umgebaut.
Elastin
Elastin ist ein Faserprotein und kommt vor allem im lockeren Bindegewebe vor (Haut, Gefäße, Bänder). Es hat eine wellenförmige Struktur, die für gute Dehneigenschaften sorgt (bis zu 150% Dehnung).
Kollagen ist wie Stahl. Elastin ist wie Gummi.

Grundsubstanz
Die Grundsubstanz des Bindegewebes besteht aus Wasser, Proteoglycanen und Verbindungsproteinen. Sie füllt den Raum zwischen den elastischen und kollagenen Fasern und sorgt für ein starkes und stabiles Bindegewebe. Außerdem stellt sie den Austausch von Nährstoffen sicher, sodass das Gewebe gesund bleibt.
Das Bindegewebe hat folgende Aufgaben:
- verbindende Funktion (Gelenke, Sehnen, Bänder, Faszien)
- stützende Funktion (Knochen)
- schützende Funktion (der Brustkorb schützt z.B wichtige Organe)
- Abwehrfunktion (Lymphzellen, Immunsystem)
- Informationsfunktion (Kraftübertragung von einem Muskel zum anderen)
- Transport-und Ernährungsfunktion (im Bindegewebe befinden sich wichtige Transportwege, der hohe Flüssigkeitsgehalt unterstützt den Nährstofftransport)
Was sind Faszien?
Der Begriff Faszien wird selbst in der Wissenschaft unterschiedlich klassifiziert und sehr variabel oder ungenau verwendet. Fest steht das Faszien eine Unterkategorie des Bindegewebes sind. Meistens werden sie als zähe, durchscheinende Bindegewebshäute beschrieben, die alle Körperstrukturen umhüllen . Es gibt somit keine Struktur unseres Körpers die nicht von einer Faszie umgeben oder mit ihr verbunden ist. Hat man schon einmal bei der der Zubereitung von Fleisch, die dünne weiße Hautschicht entfernt, dann ist man bereits in Kontakt mit Faszien gekommen. Verklebte Faszien werden häufig als „die“ Ursache von Schmerzen verantwortlich gemacht, doch sie übernehmen wichtige Funktionen im menschlichen Körper.
Arten von Faszien und ihre Aufgabe
Man kann Faszien in drei Gruppen einteilen:
- Oberflächliche Faszien
- Tiefe Faszien
- Viszerale Faszien
Die oberflächliche Faszie, die unseren ganzen Körper wie einen Taucheranzug umkleidet, ist Teil des Unterhautgewebes. Die tiefer liegenden Faszien umhüllen und verbinden die einzelne Muskeln und Muskelgruppen, sowie die Knochen und Gelenke. Die viszeralen Faszien bilden eine Haut um unsere Organe und fixieren diese an ihrem Platz. Faszien dienen also dazu, unserem Körper einerseits Form und Halt zu geben und trennen auf der anderen Seite anatomische Strukturen wie Muskeln, Sehnen oder Organe voneinander. Sie sorgen für eine optimale Kraftübertragung indem sie Muskelketten miteinander verbinden. Gleichzeitig produzieren sie an der Außenseite eine Art Flüssigkeitsfilm, der reibungsfreies Bewegen ermöglicht (Van den Berg 2016: 311).

Der Hype um verklebte Faszien
Vor allem in den letzen Jahren ist ein wahrer Hype um Faszien entstanden. Faszientraining, Faszienyoga, Faszienernährung und Faszienrollen haben momentan ihre Blütephase. In meinen Augen haben all diese Dinge auch ihre Berechtigung, nur dürfen sie nicht als Allheilmittel gegen verklebte Faszien oder andere Symptome verstanden werden. Es ist zudem nicht sinnvoll Faszien komplett isoliert zu betrachten. Führt man etwa eine Dehnübung aus, wie sie im Faszienyoga zu finden ist, hat man sowohl eine Wirkung auf Muskelfasern, Sehnen, Nervenbahnen, Gelenksrezeptoren als auch Stoffwechsel, Hormonausschüttung, etc. Aktive Bewegung ist daher viel zu komplex, um sie auf eine einzige Struktur zu reduzieren. Schmerzfreie und gesunde Bewegung ist immer ein Resultat von:
- starken Muskeln
- guter Koordination
- stabilen und gleichzeitig beweglichen Gelenken
- straffen Bändern und Sehnen
- gesunden Faszien und vielen weiteren Faktoren.
Können Faszien verkleben?
Häufig werden Schmerzen oder Verspannungen mit der Theorie „der verklebten Faszien“ erklärt. Von dem Begriff „Verklebung“ würde ich jedoch eher Abstand nehmen, da er bisher nur als Hypothese oder vielmehr als Metapher existiert. Es gibt jedoch Annahmen, dass Bewegungsmangel und in weiterer Folge Fettzunahme zwischen den einzelnen Schichten zu einer reduzierten Verschieblichkeit führt.
Generell nimmt die Elastizität der Faszien, aufgrund von Kollagenverlust, reduzierter Zellaktivität und Zellverlust, im Laufe der Jahre ab. Bei erhöhtem Stress (in Form von Zugkräften z.B.) nimmt die Kollagenmenge übermäßig zu, was wiederum zu dickeren und unbeweglicheren Faszien führt. Auch bei Verletzungen und chronische Rückenschmerzen weist das Fasziensystem häufig Veränderungen auf (Van den Berg 2016: 311). Wie so oft ist es daher zu empfehlen ein „zu viel“ oder „zu wenig“ zu vermeiden. Unter diesen Umständen könnte man im übertragenen Sinne von verklebten Faszien sprechen, auch wenn es dafür keine eindeutige wissenschaftliche Grundlage gibt.
Wie ihr euer Fasziensystem optimal unterstützen und es gesund halten könnt erfährt ihr in folgendem Beitrag:
Faszien: 5 Tipps für ein gesundes Fasziensystem


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