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Schmerzen verstehen-Warum Schmerz wichtig ist

24. März 2019
schmerzen verstehen

Die Bedeutung von Schmerzen zu verstehen hilft nachgewiesener Weise dabei, besser damit umgehen zu lernen. Die Schmerzforschung ist bei Weitem noch nicht abgeschlossen, aber Zusammenhänge lassen sich mittlerweile deutlich besser erklären und somit präziser beeinflussen. Wofür Schmerzen wichtig sind und wie die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerz überhaupt funktioniert erfährst du in diesem Beitrag.

Wofür braucht man Schmerzen?

Keiner von uns möchte Schmerzen haben, denn sie sind schlichtweg unangenehm. Gerade deswegen sind Schmerzen aber so effektiv. Schmerzen haben eine große Bedeutung und es ist wichtig zu verstehen warum Schmerzen unser Überleben sichern. Ohne Schmerz würden wir uns ständig verletzen, überlasten und würden, zum Beispiel, nicht einmal bemerken wenn wir krank sind. Man kann sich Schmerz wie einen Feuermelder vorstellen der uns vor Feuer warnt. Unser körpereigener Feuermelder erkennt jedoch sogar schon die Gefahr eines drohenden Feuers, noch bevor es ausgebrochen ist. Das bedeutet, dass uns unser Gehirn in Form von Schmerz darüber informiert, dass ein potentieller Schaden droht, noch bevor es zur eigentlichen Verletzung kommt. 

Wenn man sich zum Beispiel den Fuß an einem Tischbein anstößt, tut dies zwar weh, muss aber nicht zwangsläufig zu einem blauen Fleck oder schlimmer noch zu einem Knochenbruch führen. Würde man sich jedoch immer wieder daran stoßen, kommt es irgendwann zu einer tatsächlichen Verletzung. Der Schmerz informiert uns so zu sagen darüber, dass wir aufpassen sollen, damit wir uns nicht ernsthaft verletzen.

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Aufgaben von Schmerz

  • Schmerz schützt uns nach einer Verletzung, damit wir nicht zu früh belasten und der Körper Zeit hat zu heilen
  • Schmerz macht uns darauf aufmerksam, dass wir schon zu lange in der gleichen Position sitzen (zum Beispiel im Büro)
  • Schmerz weist uns allgemein auf schädigendes Verhalten hin (zum Beispiel auf die heiße Herdplatte zu greifen)
  • Schmerz informiert uns über die eigenen Grenzen (zum Beispiel im Sport)
  • Schmerz zeigt auf wenn ein Organ in Gefahr ist (zum Beispiel das Herz bei einem Herzinfarkt oder der Blinddarm bei einer Entzündung)
  • diese Liste lässt sich noch endlos fortführen.
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Wie funktioniert Schmerz?

Mittlerweile hat die Schmerzforschung festgestellt, dass es nicht wie früher angenommen eigene Schmerzrezeptoren gibt, sondern nur normale Nerven die verschiedene Reize melden. Diese Reize sind nicht von vornherein als Schmerz zu identifizieren, sondern entsprechen lediglich normalen Empfindungen:

  • Mechanische Reize (Druck/Zug)
  • Thermische Reize (Heiß/Kalt)
  • Chemische Reize (Allergie, Entzündungen, Säure,etc)

Erst wenn der Reiz vom Hirn als Gefahr wahrgenommen wird, kommt es zur Schmerzemfindung. Aus einer warmen Herdplatte, die keinen Schaden verursacht wird plötzlich eine heiße Herdplatte die zu Verbrennungen führt. Um Schmerz zu verstehen reicht es aber nicht aus nur über den Reiz zu sprechen, denn die eigentliche Verarbeitung und Interpretation findet im Gehirn statt.

No Brain, No Pain!

Das Hirn entscheidet letzten Endes ob eine Gefahr besteht und es zur Schmerzwahrnehmung kommen soll oder nicht. Ein weiteres Beispiel: Wenn man auf einen Nagel steigt löst das Schmerz aus. Muss man aber gerade vor einem Tiger davonlaufen (sprich akute Lebensgefahr), wird man den Nagel kaum wahrnehmen, weil das Hirn entscheidet, dass es momentan wichtiger ist wegzulaufen. Der Schmerz der vom Nagel ausgeht wird aktiv vom Gehirn unterbunden. Sobald man sich in Sicherheit befindet wird plötzlich der Schmerz des Nagels spürbar. Wie viel Schmerz man also tatsächlich spürt, hängt nicht unbedingt vom Schweregrad der Verletzung ab sondern vielmehr von den Umständen.

Schmerz wird also immer vom Gehirn interpretiert und durch viele Faktoren beeinflusst.

Faktoren die Schmerz beeinflussen

Je nachdem in welcher persönlichen Situation man sich gerade befindet, werden Schmerzen stärker, schwächer oder gar nicht warhgenommen:

  • Muss man gerade arbeiten oder befindet man sich im Urlaub?
  • Ist man glücklich im Job oder gibt es Probleme mit dem Chef?
  • Wie ist der kultureller Hintergrund und wie wurde in der Familie früher immer mit Schmerzen umgegangen?
  • Wie reagiert der Partner bei Schmerzen? Schenkt er einem plötzlich besonders viel Aufmerksamkeit?
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Das alles beeinflusst die Schmerzwahrnehmung und auch die Genesung nach einer Verletztung oder Krankheit. Dieser Prozess ist jedoch weitgehend unbewusst und hat nichts mit Einbildung oder “sich gehen lassen zu tun”. Es soll nur verdeutlichen, dass der Schmerz immer in einem Kontext wahrgenommen wird. Das lässt schlussfolgern, dass der Schmerz nicht immer absolut ist sondern je nach Situation variiert. Je besser wir Schmerzen verstehen, desto leichter kann man sie beeinflussen.

Habt ihr noch Fragen? Dann schreibt mir doch in den Kommentaren oder auf Instagram! Lg Susanne von Physionista- der Gesundheitsblog für den Alltag

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